Schnitzelei Berlin: Wiener Schnitzel mit Alpenpanorama – auf dem Klo

Berlin, Essen, Trinken & Kultur

Der Mann und ich wollten zum Konzert. Und vorher noch irgendwo essen gehen.

Wir hatten Lust auf Wiener Schnitzel, doch unsere „üblichen“ Anlaufstellen hatten so spontan keinen Tisch frei.

Beim Googeln fiel uns die Schnitzelei Berlin auf. Und – so sollte es sein – in der Schnitzelei Charlottenburg war sogar ein Tisch für uns frei.

Je näher wir der Schnitzelei kamen, desto vertrauter wurde die Gegend. Und dann, kurz vor der Tür: Moment mal. Das ist doch …

Fck.

Das war genau das Restaurant, in das ich mit meinem Sohn gehen wollte. Wir standen ein paar Wochen zuvor schon hier – hatten uns vorgenommen, bald wiederzukommen. Nur wir zwei. Und jetzt stand ich hier. Mit dem Mann. Ohne Sohn.

Schlechtes Gewissen? Japp.

Ich hatte kurz überlegt, umzudrehen und woanders hinzugehen. Aber das wäre auch irgendwie albern.

Also rein.

Ein Berliner Kindl zur Begrüßung.

Wir waren noch beim Jacke-Ausziehen, da wurden wir schon gefragt, ob wir einen Aperitif wollen. Aufs Haus. Wahlweise ein kleines (ok, sehr kleines) Berliner Kindl oder einen Apfelsaft.

Kurze Zeit später studierten wir die Speisekarte und tranken unser Berliner Kindlchen. Fand ich eine super schöne Willkommensgeste.

Die Schnitzelei Charlottenburg ist so ein Ort, wo man sich sofort wohlfühlt. „Kiezig“ im besten Sinne. Draußen fließt die Spree vorbei – im Sommer bestimmt richtig schön, draußen zu sitzen. Aber auch im Dezember war es drinnen muggelig schön. Inkl. unkitschiger Weihnachts-Deko.

Flexitarisches Manifest der Schnitzelei Berlin

Die Speisekarte. Sie beginnt mit einem „flexitarischen Manifest“. Ich dachte erst: Oh Gott, jetzt kommt gleich der moralische Zeigefinger. Schlechtes Gewissen, dass ich mir ein Wiener Schnitzel bestellen will, in einer Schnitzelei …

Kam aber nicht.

Stattdessen: Bioprodukte, artgerechte Haltung, kreative vegetarische Interpretationen von Fleischklassikern. Und dann dieser Satz:
„Wir wollen, dass du Lust auf vegetarisch bekommst – auch wenn du wegen des Wiener Schnitzels gekommen bist.

Und weißt du was? Hat funktioniert.

Ich kam tatsächlich wegen des Wieners. Aber plötzlich hatte ich Lust auf Austernpilz-Schnitzel.

Wer ein vegetarisches Schnitzel in Berlin sucht, wird hier sicher fündig.

Die Karte hat mich neugierig gemacht. Nächstes Mal gibt’s die vegetarische Variante. For sure.

Wir bestellten beide das klassische Wiener Schnitzel vom Kalb. 29 Euro. Mit Bratkartoffeln und Gurkensalat.
Die Zitrone kam in einem kleinen Netz eingewickelt – keine Kerne auf der Panade, kein Gefummel. So ein kleines Detail. Aber so etwas bleibt hängen.

Das Schnitzel: dünn geklopft, goldbraun, knusprig. Die Bratkartoffeln nicht in Öl ertränkt. Der Gurkensalat hausgemacht. Nichts Spektakuläres. Aber gut.

Dessert-Tapas mit Suchtfaktor (steht zumindest so in der Karte)

Dann das Dessert.

Drei kleine Schälchen auf einem Holzbrett. „Dessert-Tapas“ für 12 Euro. Und auf der Karte stand: „Mit Suchtfaktor.“ Beim Toblerone-Mousse.

Sie hatten verdammt recht.

Das Mousse war sahnig-tobleronig, nicht zu süß, mit genau diesem Toblerone-Geschmack, den man schon als Kind geliebt hat.

Daneben ein Marillenknödel – weich, mit Vanillesoße und Mohn. So wie man ihn aus Österreich kennt. Mega lecker!

Und dann das Highlight: Kirmesschnitzelchen. Veganes Vanilleeis in einer Salzkaramell-Mandel-Kruste, dazu Himbeersoße. Klingt nach Jahrmarkt. Schmeckt unfassbar gut.

Mein Mann und ich haben uns den Dessertteller geteilt. Ungern.

Zeit für den obligatorischen Klobetrotter-Gang

Wie immer mit der Hoffnung: Bitte lass hier etwas Klorioses sein.

Und Sacklzement: Das war etwas Besonderes:

Eine Almhütte im Keller – und ein Steinbock, der dich freundlich anlächelt, während du dein Geschäft erledigst.

Man geht eine enge Wendeltreppe der Schnitzelei Berlin hinunter. Kommt in einen großen, leeren Vorraum – Holzboden, Holzbank, Postkartenhalter, Zigarettenautomat. So weit, so unspektakulär.

Und dann: Im nächsten Raum steht ein Kicker.

Einfach so.

Dahinter, ein paar Stufen höher, eine komplette bayerische Almterrasse. Mit Holzgeländer. Mit Geranien.

Ich stand da und dachte: Yay! Eine perfekte Klobetrotter-Kulisse.

Die Toilettenkabinen selbst sind kleine Alpenlandschaften. Holzvertäfelung bis zur Hüfte, darüber Fototapeten: Bergwiesen mit Blumen und Baumstümpfen. Schneebedeckte Gipfel mit dramatischen Wolken.

Und wenn man auf dem Klo sitzt und die Tür schließt, starrt einen ein Steinbock an. Direkt auf Augenhöhe. Mit diesen langen, geschwungenen Hörnern. Als würde er sagen: „Na, alles fit im Schritt?“

Das Klopapier hat kleine eingestanzte Herzchen.
Auch das noch.

Es ist absurd. Vielleicht übertrieben. Doch es ist genial. Es ist einfach eine Hommage an bayerische Gemütlichkeit – komplett durchgezogen, bis in den letzten Winkel.

Weil: Bayern.

Apropos Herzchen-Klopapier: Kennst du schon die Geschichte des Klopapiers?

Klobetrotter-Fazit

Die Schnitzelei ist kein Ort, an dem man „mal eben schnell“ isst. Es ist ein Ort, an dem man gemütlich hängenbleiben will (wenn man nicht weiter muss, zum Konzert …)

Das Essen ist gut. Die Atmosphäre auch. Und jemand hat bei den Details mitgedacht – bei der Zitrone, beim Aperitif, bei der Toilette.

Montags gibt es übrigens ein Schnitzeltag-Special: Das Wiener Schnitzel vom Kalb, das Schnitzel Wiener Art vom Schwein und das vegane Austernpilz-Schnitzel kosten dann nur 19,19 Euro. Das ist ein verdammt guter Deal.

Und wenn ihr auf die Toilette geht: Nehmt euch Zeit. Es lohnt sich.

Ach ja: Nächstes Mal geh ich mit meinem Sohn hin. Versprochen.


Klobetrotter-Bewertung: 🧻🧻🧻🧻🧻 (5 von 5 Rollen für die Schnitzelei Berlin Charlottenburg)
Für Atmosphäre, Liebe zum Detail und die beste Alpen-Illusion, die ich je in einem Berliner Keller-Klo gesehen habe. 😉

Praktische Infos

Infos von der Website, Stand Dezember 2025. Bitte immer nochmals tagesaktuell eigenständig überprüfen

Adresse: Schnitzelei Charlottenburg, Röntgenstraße 7b, 10587 Berlin
Öffnungszeiten: Mo–Fr 16:00–23:00 Uhr (Küche bis 22:00), Sa–So 12:00–23:00 Uhr (Küche bis 22:00)
Preise: Wiener Schnitzel vom Kalb 29 €, vom Landschwein 25,50 €, Austernpilz-Schnitzel (vegan) 23,50 €, Dessert-Tapas 12 €
Besonderheit: Montags Schnitzeltag – für 19,19 €
Website: schnitzelei.com
Weitere Standorte: Schnitzelei Mitte, Schnitzelei Wilmersdorf