Karriere auf dem Thron: Warum der „Hintern-Abwischer“ des Königs der mächtigste Job Englands war
Es gibt Jobs, über die man nicht gerne spricht. Und dann gibt es Jobs, für die Menschen im 16. Jahrhundert geradezu gekämpft haben – obwohl sie buchstäblich mit den Hinterlassenschaften anderer zu tun hatten. Willkommen in der Welt des „Groom of the Stool“. Offiziell war er der oberste Diener der königlichen Toilette. Inoffiziell? Der mächtigste Mann am Hof nach dem König selbst. Klingt absurd? Ist es auch. Aber es funktionierte jahrhundertelang.
Groom of the King’s Close Stool – was war das eigentlich?
Der offizielle Titel lautete „Groom of the King’s Close Stool“. Er war der Herr über die „Privy Chamber“ – die privaten Gemächer des Königs.
Seine Hauptaufgabe: Den König zum Toilettengang begleiten.
Das hieß: Wasser, Handtücher und ein Waschbecken bereitstellen. Beim An- und Ausziehen der komplizierten, schweren Kleidung helfen.
Und – hier wird es historisch strittig – möglicherweise auch den königlichen Allerwertesten reinigen. Ob das Abwischen wirklich zum Standard gehörte, ist unter Forschern umstritten; sicher ist aber:
Der Groom war der einzige Mensch, der in diesem Moment physisch anwesend sein durfte. Niemand sonst hatte Zugang. Nicht mal die Königin. Was uns wie eine Demütigung vorkommt, war damals das höchste Privileg.
Ursprünglich bezog sich „Stool“ auf den „Close Stool“ – also den tragbaren Toilettenstuhl (eine gepolsterte Kiste mit einem Loch und einem Nachttopf darin). Es war also eigentlich der „Diener des Toilettenstuhls“.

Das königliche Stuhlgang-Monitoring
Es ging nicht nur um Hygiene, sondern um medizinische Überwachung. Der Groom musste die Beschaffenheit der königlichen Exkremente genau beobachten und dem Leibarzt Bericht erstatten. Farbe, Konsistenz, Häufigkeit – alles wurde dokumentiert. Der Groom of the Stool plante sogar den gesamten Tagesablauf des Königs rund um dessen erwartete Verdauungszeiten.
Ein Diener von Heinrich VIII. schrieb 1539 ganz offiziell, dass der König Abführmittel genommen habe und eine „sehr schöne Belagerung“ (a very fair siege) erlebt habe. Das war der höfische Euphemismus für: Der König hatte einen ordentlichen Stuhlgang.
Man stelle sich das heute vor: „Der Bundeskanzler hatte heute eine sehr schöne Belagerung. Die Kabinettssitzung kann beginnen.“
Groom of the Stool – Warum wollte jeder diesen Job?
Weil es das ultimative Karrieresprungbrett war. Während der König auf seinem mit Samt und Schafsfell gepolsterten Toilettenstuhl saß, war er eine „gefangene Audienz“. Der Groom of the stool konnte ihm Geheimnisse einflüstern, um Gefallen bitten oder politische Meinungen platzieren. Der König saß fest, konnte nicht weg – und musste zuhören.

Und dann waren da noch die handfesten Vorteile:
- Königliche Garderobe: Der Groom bekam die ausrangierten Kleider des Königs. Wir reden hier nicht von Second-Hand-Mode, sondern von feinster Seide, Samt und Goldfäden – wandelnde Vermögen.
- Die Staatskasse: Der Groom kontrollierte oft die „Privy Purse“, also die private Kasse des Königs, und konnte enorme Summen verwalten.
- Prestige: Fast alle Grooms unter Heinrich VIII. waren Ritter. Einer von ihnen, Sir Anthony Denny, besaß sogar den goldenen Stempel für die königliche Unterschrift.
Von der Schüssel an die Staatsspitze
Dass Macht wirklich von unten kommt, beweist John Stuart, 3. Earl of Bute. Er war der „Groom of the Stole“ (wie das Amt unter den Stuarts hieß) von König George III. und stieg später zum Premierminister von Großbritannien auf.
Das war kein Zufall, sondern System. Der Groom kannte den König nicht als unnahbaren Monarchen, sondern als verletzlichen Menschen. Er wusste, wann der Herrscher gut gelaunt war oder Schmerzen hatte. Diese Intimität war politisch unbezahlbar.
Der tragische Fall des Sir Henry Norris
Doch die Nähe zum Thron hatte Schattenseiten. Sir Henry Norris, einer der Grooms von Heinrich VIII., war ein enger Vertrauter des Königs. Seine enge Bindung zum Hof wurde ihm zum Verhängnis, als man ihn beschuldigte, eine Affäre mit Anne Boleyn zu haben. Obwohl die Beweise dürftig waren, wurde Norris 1536 im Tower von London hingerichtet. Die Botschaft: Wer dem König zu nahe kommt, kann tief fallen.
Ein spannendes Detail ist, dass er bis zum Schafott geschwiegen hat. Das unterstreicht die Loyalität, die dieser Job erforderte.
Das Ende einer Ära
Unter Königin Elisabeth I. ruhte das Amt, da männliche Diener für eine unverheiratete Königin in so intimen Momenten unpassend waren – sie wurde stattdessen von den „Ladies of the Bedchamber“ betreut. Endgültig abgeschafft wurde der Posten erst 1901 von König Edward VII., der wohl doch lieber etwas mehr Privatsphäre im Badezimmer wollte.
Klobetrotter-Fazit
Der Groom of the Stool war kein erniedrigender Job, sondern ein Machtinstrument, verpackt in Samt und den Geruch königlicher Exkremente. Er zeigt uns: Wer in den intimsten Momenten dabei ist, ist unersetzlich. Bis heute gibt es Ämter, die auf ähnlichen Prinzipien basieren – nur dass sie heute zum Glück nicht mehr „Toiletten-Diener“ heißen.
Klobetrotter-Bewertung: 🧻🧻🧻🧻🧻 (5 von 5 Rollen) für die absurdeste Karriereleiter der Geschichte.
Kennst du weitere skurrile Toiletten-Traditionen weltweit? Schreib uns gern – wir sind immer auf der Suche nach neuen Geschichten!
Häufige Fragen zum Groom of the Stool
Was ist ein Groom of the Stool?
Die Hauptaufgabe eines Groom of the Stool bestand darin, den König beim Toilettengang auf dem „Close Stool“ zu unterstützen, die Hygiene sicherzustellen und den Gesundheitszustand des Monarchen (via Exkremente) zu überwachen. Er war zudem für die Intimsphäre des Königs im Schlafzimmer zuständig.
Warum war der Groom of the Stool so mächtig?
Da er als einziger Diener Zeit mit dem König in seinen privatesten Momenten verbrachte, fungierte er als inoffizieller Berater. Er hatte das „Ohr des Königs“ und konnte politische Entscheidungen beeinflussen, Gefallen vermitteln oder den Zugang zum Monarchen kontrollieren.
Wer war der berühmteste Groom of the Stool?
Sir Henry Norris ist einer der bekanntesten Amtsinhaber unter Heinrich VIII. Er stieg zu großem Reichtum auf, wurde jedoch 1536 hingerichtet, da ihm eine Affäre mit der Königin Anne Boleyn vorgeworfen wurde – ein Beweis dafür, wie gefährlich die Nähe zum Thron sein konnte.
Wurde man für den Job als Hintern-Abwischer bezahlt?
Ja, und zwar fürstlich. Neben einem hohen Gehalt erhielten die Grooms oft die ausrangierte Kleidung des Königs (die ein Vermögen wert war), bewohnten die besten Zimmer im Palast und erhielten Titel wie den „Ritterschlag“.
Wann wurde das Amt des Groom of the Stool abgeschafft?
Obwohl das Amt über Jahrhunderte bestand, wurde es erst im Jahr 1901 mit der Thronbesteigung von König Edward VII. offiziell abgeschafft.
Kuriose Klo-Fakten gibt es nicht nur in England, sondern auch in Spanien – kennst du schon den kleinen Scheißer, den Caganer?
